Mit der Linssen Grand Sturdy 299 AC „Solveig“ von Berlin an die Müritz

Von Wolfgang Pethke

Es ist Anfang Mai. Am späten Vormittag machen wir uns (Frank, Jan und Wolfgang) auf den Weg von der Ostseeküste nach Berlin. Der wolkenverhangene Himmel verspricht nicht viel Gutes. Aber wir vertrauen auf die Wettervorhersage (im Internet die Satellitenbilder inspiziert) und hoffen, wie angesagt, auf wärmere Temperaturen und Sonne, denn der Winter hatte uns an der Küste sehr lange im Griff.

Die Hauptstadt empfängt uns mit milderen Temperaturen und ab und zu Sonnenschein. Das lässt auf mehr hoffen. Wir schieben uns durch den dichten Verkehr nach Berlin-Köpenick.

Gegenüber dem Schloss Köpenick sollen wir unsere Linssen-Motoryacht übernehmen.

Wieardus Reichl vom Spree Marine Yachthandel erwartet uns schon. Wir bringen unsere Sachen an Bord und schon kurze Zeit später erhalten wir unsere Einweisung und spezielle Hinweise zum Schiff. Wir sind die ersten Gäste auf der neuen Grand Sturdy 299 die bei freewater in Buchholz/Müritz gechartert werden kann. Es wird also eine sogenannte „Jungfernfahrt“. Das Schiff ist sehr geschmackvoll und komplett ausgestattet.

Nach kurzer Beratung, entschließen wir uns den immer wärmer und schöner werdenden Tag zu nutzen und legen in Richtung Teltowkanal ab. Eigentlich wollten wir mitten durch die Stadt fahren, aber Abrissarbeiten am ehemaligen Palast der Republik verhindern diesen Tourenplan (von Montag bis Freitag ist die Durchfahrt für Sportboote ohne Funk nicht möglich). Unser Tagesziel ist Potsdam. Der Kanal erstreckt sich doch ziemlich in die Länge. Auch die Schleuse Kleinmachnow soll technische Probleme haben. Aber ein Anruf klärt die Sachlage. Es ist alles wieder in Ordnung und wir können die Schleuse am Abend passieren. Wir entschließen uns im Yachthafen Potsdam die Nacht zu verbringen. In der Dämmerung legen wir an. Armin Burchardi sen. ist noch vor Ort und da wir uns schon lange nicht gesehen haben, gibt es eine Menge zu erzählen.

Am nächsten Morgen legen wir frühzeitig ab, denn wir wollen am Abend Zehdenick erreichen. Wir nehmen Kurs Richtung Norden, fahren auf der Havel vorbei am Wannsee, dem bekannten Grunewaldturm und sind ab Pichelssee mitten in Berlin-Spandau. Die Schleuse Spandau erreichen wir gegen 11.00 Uhr.

Nach der Schleusung lassen wir an Steuerbord den Tegeler See liegen. Im Nieder-Neuendorfer See mündet an Backbord der Havelkanal und Hennigsdorf kommt in Sicht. Eine Tour über den Oranienburger Kanal in die Ruppiner Gewässer ist von hier möglich. Wir durchqueren den Lehnitzsee und müssen an der Schleuse Lehnitz warten. Auf telefonische Nachfrage erhalten wir die Antwort: es geht gleich weiter. Schon nach wenigen Minuten öffnen sich die Schleusentore und wir können nach einem Schubverband in die Schleuse einfahren. In der Nähe der Schleuse befindet sich auch die Gedenkstätte Sachsenhausen. Wir setzen unsere Fahrt auf der Havel-Oder-Wasserstraße fort bis zum Havel-Oder-Dreieck und biegen hier nach Backbord in die Obere-Havel-Wasserstraße/Vosskanal ein.

Kurze Zeit später ist die Schleuse Liebenwalde in Sicht. Hier sind alle Ampellichter auf Rot. Vor uns liegt schon ein Sportboot und der Skipper erzählt uns, dass ein Schleusentor klemmt. Ein Taucher ist unterwegs. Wir richten uns auf eine längere Wartezeit ein. Frank ist vor in den Schleusenbereich gegangen, um weitere Informationen zu bekommen. Plötzlich signalisiert er, es geht weiter. Auf der Gegenseite fahren die ersten Boote ein. Nach der Schleusung passieren wir Liebenwalde und haben schon in kurzer Zeit die nächste Schleuse Bischofswerder erreicht. Die Ampeln zeigen grünes Licht und wir fahren direkt hinein.

Die Temperaturen haben sommerliches Format erreicht und die Crew ist mittlerweile in Polo- bzw. T-Shirt an Deck. Zehdenick ist in Sicht und die erste automatische Schleuse erwartet uns. Die Bedienung ist bekannt und die Schleusung funktioniert reibungslos. Gleich hinter der Schleuse befindet sich die Marina Stadthafen. Hier machen wir fest und haben unser Tagesziel erreicht. Der Hafenmeister begrüßt uns freundlich zu später Stunde. Nach einem kleinen Rundgang durch Zehdenick, das immer einen Besuch wert ist, kehren wir in unser Hafenrestaurant ein. Der Koch des „Blauen Ankers“ verwöhnt uns mit leckerem Essen und frisch gezapftem Bier. Es ist der ¬erste warme Abend in diesem Jahr und wir „snacken“ noch eine ganze Weile an Deck.

Unsere Grand Sturdy „Solveig“ hat ihre Feuertaufe nach fast zehn Betriebsstunden bestanden. Außergewöhnlich ruhig und sehr gut steuerbar hat sie uns begleitet.

Der neue Tag führt uns weiter stromaufwärts. Zwischen Zehdenick und Burgwall passieren wir viele kleine Seen an beiden Uferseiten. Diese Tonstichlandschaft ist ein Überbleibsel der Ziegelproduktion. Der Ziegeleipark Mildenberg – hier gibt es die interessante Industriegeschichte zu erleben - ist über die Marina im Ziegeleipark zu erreichen. Unsere Fahrt führt uns weiter in die Schorfheide. Die Havel bietet hier noch eine wunderschöne, erlebnisreiche Natur. Kurvenreich schlängelt sich die Havel durch die abwechslungsreiche Landschaft. Von hier aus besteht die Möglichkeit in die Templiner Gewässer zu gelangen. Die nächsten drei Schleusen Schorfheide, Zaaren und Regow sind wieder alle in Selbstbedienung zu bewältigen.

Gegen 12.30 Uhr erreichen wir Bredereiche, schleusen und fahren über den Stolpsee, auf dem schöne Ankerbuchten zum Verweilen einladen, und am Örtchen Himmelpfort vorbei in Richtung Wasserstadt Fürstenberg. Die Stadt hat viele Angebote entwickelt, die immer mehr Touristen begeistern. Die Schleusung in Fürstenberg erleben wir wieder bei hochsommerlichen Temperaturen. Anschließend überqueren wir den Röblinsee und haben freie Einfahrt in die Schleuse Steinhavel.

Unsere Fahrt führt uns über den Menow- und Ellbogensee zur Schleuse Strasen. Vom Ellbogensee bei Pripert führt ein Abzweig der Havel nach Neustrelitz (ein absolutes Muss im Törnplan). Nach der Schleuse Strasen erwartet uns der Große Pälitzsee der in den Kleinen Pälitzsee übergeht. Hier hatten wir eigentlich vor, durch den Hüttenkanal die Rheinsberger und Zechliner Gewässer zu befahren. Aber es ist schon zu spät für diesen reizvollen Abstecher, den jeder Skipper in seine Törnplanung aufnehmen sollte, wenn er die Kleinseenplatte im Programm hat. Für uns geht es über den Canower See in den Labussee. Die Einfahrt in den Labussee versperrt uns die Schleuse Canow, deren rote Lichter uns im Sonnenlicht entgegen funkeln. Kurze Kaffeepause. Frank hat auf dem Törn sein außerordentliches Talent für hervorragende Kaffeespezialitäten zu erkennen gegeben.

Die Lichter werden grün und wir können weiter. Der Kaffee ist noch nicht ausgetrunken, da erwartet uns schon die nächste Schleuse in Diemitz. Da der Abend angebrochen ist, müssen wir uns beeilen, unser Tagesziel Mirow zu erreichen. Über den Vilz-, Mössen- und Zotzensee erreichen wir Mirow. Herr Rick vom Bootsservice an der Schlossinsel steht schon am Steg und zeigt uns unseren Liegeplatz für die Nacht. Wir machen noch unseren obligatorischen Rundgang durch den Ort. Im Restaurant treffen wir auf fußballbegeisterte Einwohner. Das fachsimpeln kurz vor der Weltmeisterschaft hätte endlos gehen können.

Der Brötchenservice funktioniert hervorragend und wir erleben einen sonnigen Morgen. Der Wind ist etwas stärker geworden, aber „Klärchen“ lässt uns nicht in Stich. Nach dem wir „Klar Schiff“ vollzogen haben, legen wir ab in Richtung Kleine Müritz nach Rechlin. Zuerst müssen wir noch die Schleuse Mirow hinter uns lassen und fahren dann in gut eineinhalb Stunden in die Kleine Müritz. Der Yachthafen Rechlin ist in Sicht.

Wir steuern die Tankstelle am Steg an und füllen hier unseren Treibstoff auf. Nach dem Tanken passieren wir die Brücke bei Vipperow und begeben uns in den südlichsten Teil der Müritz zum Yachthafen Buchholz. Nach über einer Stunde Fahrt sehen wir den Hafen. Der Wind hat zugenommen und wir fahren langsam heran, um uns einen geschützten Liegeplatz zu suchen. Aber die sind schon alle besetzt. Wir starten einen neuen Anlauf und mit einem gelungenen Manöver kommen wir sicher an den Steg. Rainer Daues von freewater-yachtcharter nimmt die Leinen über und heißt uns und den jüngsten Spross seiner Charterflotte herzlich willkommen.

Die erste neue Linssen der Serie „9“ ist an der Müritz angekommen. Weitere werden ab 2007 die freewater-Flotte verstärken. Ein kurzer, aber sehr schöner Törn ist zu Ende. Unsere „Solveig“ liegt am Steg und spiegelt sich im Wasser, als würde sie uns zuzwinkern.

Die neue Linssen Grand Sturdy 299 AC ist eine Yacht die trotz ihrer sehr kompakten Außenmaße bis zu vier Personen genug Platz und Komfort bietet, um schöne und erlebnisreiche Tage an Bord zu erleben.